Rhöndorfer Ausgabe Online
An den Vorsitzenden der CDU-Kreispartei Krefeld, Karl Horster
StBKAH 08.52
Sehr geehrter Herr Horster!
Die in Ihrem Briefe vom 21. d. Mts. geschilderte Angelegenheit1 war schon an mich herangebracht worden, und zwar aus evangelischen Kreisen außerhalb Krefelds. Nach der mir gegebenen Schilderung hat man eine Abstimmung der Eltern vorgenommen, die ungefähr Stimmengleichheit ergeben habe. Die evangelische Seite behauptet, es liege eine evangelische Stiftung vor. Wenn das Letztere der Fall ist – ich füge ein mir zugegangenes Schreiben bei –, so wird man m. E. unbedingt festhalten müssen an der evangelischen Konfession der Leiterin oder des Leiters. Ich habe mit Herrn Dr. Warsch über die Angelegenheit gesprochen und ihn gebeten, sich mit Ihnen in Verbindung zu setzen. Herr Warsch hatte die Befürchtung, daß die Angelegenheit in Krefeld unglücklich verlaufe. Bitte, setzen Sie sich doch sofort mit ihm in Verbindung. Den Standpunkt, daß »ohne wesentliche Berücksichtigung paritätischer Gesichtspunkte lediglich auf den christlichen Charakter des Bewerbers zu sehen sei, ohne Rücksicht auf konfessionelle Zugehörigkeit«, halte ich für falsch. Eine derartige Festlegung würde von seiten der im Lager des Zentrums stehenden katholischen Geistlichen gegen uns sehr übel verwertet werden. Ich halte ihn auch, hiervon abgesehen, für sachlich falsch. Der Leiter einer Schule sollte doch keineswegs in erster Linie nach seiner Parteizugehörigkeit gewählt werden, sondern nach seiner Eignung. Dabei spielt aber seine Konfession ganz bestimmt eine Rolle.
Unsere evangelischen Parteifreunde fühlen sich nach mancher Hinsicht hin, vielleicht nicht ohne Grund, benachteiligt. Diese Benachteiligungen werden sicher nicht absichtlich erfolgen, aber die Verhältnisse bringen sie in dem überwiegend katholischen Lande Nordrhein-Westfalen öfters von selbst mit sich. Ich wäre Ihnen daher sehr dankbar, wenn Sie alles tun würden, was Sie können, damit im evangelischen Volksteil keine Mißstimmung gegen uns aufkommt2.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)
Karl Horster hatte Adenauer um »eine möglichst baldige, authentische Interpretation« in einer Schulangelegenheit gebeten (Besetzung der Direktorenstelle eines bislang unter evangelischer Leitung stehenden Krefelder Lyzeums; Schwierigkeit einer konfessionell und zugleich fachlich befriedigenden Nachfolgeregelung).
Vgl. das Scheiben an Fritz Haun vom 10.2.1947.