Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

25. April 1947 (Rhöndorf)

An Ernst Schwering

, Köln

Original in HAStK Best. 904, A 137


Lieber Herr Schwering!

Ich erhielt Ihre beiden Briefe vom 22. d. Mts.1 Die Verfassung der Ministerien in Düsseldorf ist denkbar schlecht. Ich halte es daher auch für notwendig, daß man bei der Wahl des Ministerpräsidenten in erster Linie Wert darauf legt, einen ausgezeichneten Verwaltungsbeamten zu bekommen.

Was die Wahlen angeht, so geht es mir wie Ihnen. Ich möchte aber einen Grund noch hinzufügen: Das ist die schlechte Organisation namentlich der CDU in Westfalen2. Auch über die Kölner Organisation höre ich sehr lebhafte und, wie mir scheint, durchaus begründete Klagen, wie Mangel an Aktivität, keine Plakatierung usw.3 Es wäre mir lieb, Ihre Ansicht darüber zu hören.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Nachgewiesen werden konnte nur eines der beiden Schreiben; hierin: Ausführungen zum Wahlergebnis, besonders zu den Erfolgen der KPD und des Zentrums (»Das Ganze gehört wieder auf das Konto der politischen Unreife des deutschen Volkes«).

  2. ^

    Nähere Angaben zur Parteisituation in Westfalen (wo das Zentrum seine größten Erfolge erzielt hatte) in den Schreiben an Josef Kardinal Frings vom 27.4.1947, an Ella Schmittmann vom 28.4.1947, an Wilhelm Bitter vom 2.5.1947 und an Franz Graf von Galen vom 6.5.1947.

  3. ^

    Vgl. hierzu die kritische Erörterung des Wahlkampfes und -ergebnisses sowie der Parteiorganisation generell bei der CDU-Zonenausschusssitzung vom 29.4.1947 in Ahlen; Druck des Protokolls: Helmuth Pütz (Bearb.), Konrad Adenauer, S. 301f., 312-316.
    Speziell zur Situation der Kölner CDU nach der Wahl (Erringung aller 6 Wahlkreise bei ca. 45 % der Stimmen, jedoch unter erheblichen Verlusten gegenüber den Herbstwahlen des Jahres 1946) ist in StBKAH 08.53 Korrespondenz mit Peter Josef Schaeven (CDU-Kandidat im Wahlkreis Köln Alt- und Neustadt, »der Ihnen reserviert war«; Anschreiben vom 21.4.1947) erhalten; Adenauer am 3.5.1947: »Es ist wohl nötig, nach dem Rechten zu sehen.«