Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

25. Juli 1947 (Rhöndorf)

An Dr. Paul Silverberg

, Lugano

StBKAH 07.03


Lieber Herr Silverberg!

Heute erhielt ich Ihren Brief vom 16.d.Mts.1 Mein Brief wird Sie in der Zwischenzeit erreicht haben. Ich glaube, ich habe in meinem Schreiben an Sie nicht erwähnt, daß ich Sie von Basel aus nicht anrufen konnte, weil wir infolge eines Zusammenstoßes mit einem Lastwagen zwischen Zürich und Basel erst tief in der Nacht in Basel ankamen. Übrigens haben wir dann am anderen Tag einen 2. Autounfall gehabt, der durch einen Schaden, den der Wagen beim ersten Unfall davongetragen hatte, verursacht worden war. Infolgedessen kamen wir verspätet in Köln an.

Eben bin ich zurückgekommen von einer Tagung des Wirtschaftsrates in Frankfurt (Main). Ich bin zwar nicht Mitglied dieses bizonalen Wirtschaftsrats, aber als Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Union der britischen Zone mußte ich hin, um mit dafür zu sorgen, daß unsere Interessen gewahrt wurden2. Wie Sie aus der Presse in der Zwischenzeit ersehen haben werden, stellt die CDU bezw. CSU (Bayern) nicht nur den Direktor des Wirtschaftsrates (das ist ein Ersatz für Dr. Agartz), sondern auch die Direktoren für alle anderen Ämter, da die SPD die Mitarbeit verweigerte, wenn sie nicht den Direktor des Wirtschaftsrates bekäme3. Die CDU hat damit eine sehr große Verantwortung übernommen. Ich hoffe, daß wir unserer Aufgabe doch gerecht werden. Für mich bringt diese Situation wieder eine Fülle neuer Arbeit, wenigstens für die nächsten Monate.

Seien Sie herzlichst gegrüßt, auch von meiner Frau,
Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Schreiben in Anschluss an das Zusammentreffen in der Schweiz, vgl. das Schreiben an Paul Silverberg vom 17.7.1947.

  2. ^

    Vgl. Rudolf Morsey, Konrad Adenauer und die Gründung, S. 114. Zur Begründung der Teilnahme an der Frankfurter Fraktionssitzung ist ein Schreiben an Wilhelm Warsch vom 10.8.1947 erhalten: »... ist gegen meine Anwesenheit ... von einer Seite Einspruch erhoben worden. Die Fraktion hat dann sich dahin entschieden, daß nur die Vorsitzenden der Landesparteien anwesend sein dürften« (StBKAH 08.50); vgl. das Schreiben an Friedrich Holzapfel vom 16.8.1947.

  3. ^

    Zu den ersten Entscheidungen über die Besetzung der 5 Direktorenposten des Vereinigten Wirtschaftsgebiets am 23./24.7.1947 vgl. Tilman Pünder, Das bizonale Interregnum, S. 108-115. Die Wahl für die Verwaltungen für Wirtschaft (Johannes Semler), Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Hans Schlange-Schöningen) und Post- und Fernmeldewesen (Hans Schuberth) behielt ihre Gültigkeit, während die Direktoren der Finanzverwaltung (Alfred Hartmann) und der Verkehrsverwaltung (Edmund Frohne) erst am 9.8.1947 gewählt werden konnten.