Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

25. September 1947 (Rhöndorf)

An Johannes Rings

, Köln-Lindenthal

StBKAH 07.02


Lieber Herr Rings!

Haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre lieben Worte vom 19. d. Mts. und die »Neue Zürcher«-Zeitung1. Wenn man die Dinge ruhig an sich vorübergehen läßt und die ganzen Verhältnisse in Europa und in der Welt betrachtet, so sollte man allerdings verzweifeln. Aber schließlich muß man sich immer wieder emporraffen und versuchen, alles zu tun, was man kann, damit wieder Ordnung in das Chaos kommt.

Ich freue mich, daß Ihr Enkel aus England zurückgekommen ist2. Hoffentlich kommt auch der andere bald zurück. Wie ich ziemlich zuverlässig gehört habe, kann man damit rechnen, daß die deutschen Kriegsgefangenen in Rußland im Laufe des Jahre 1948 alle zurückkommen3.

Ich freue mich, daß die tapfere Familie Rings den Versuch macht, ihr altes Heim wieder aufzubauen. Ich hoffe, daß es mir doch bald möglich sein wird, mich durch einen Besuch bei Ihnen von dem Fortgang der Arbeit zu überzeugen.

Mit recht herzlichen Grüßen von Haus zu Haus, wie immer,
Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Rings zu dem (»als Material bei parlamentarischen Beratungen«) beigefügten Exemplar der schweizerischen Tageszeitung: » ... man legt sie immer in deprimierter Stimmung aus der Hand. Muß man sich doch von Tag zu Tag immer mehr davon überzeugen, daß diese Welt nicht mehr in Ordnung zu bringen ist, es sei denn, daß die Menschen, besonders die Verantwortlichen, von einem ganz anderen Geist beseelt werden.«

  2. ^

    Vgl. das Schreiben an Johannes Rings vom 7.12.1946.

  3. ^

    Zu den erfolgreichen Bemühungen von Bundeskanzler Adenauer um Entlassung deutscher Kriegsgefangener aus russischer Gefangenschaft vgl. seine eigene Darstellung der deswegen im September 1955 in Moskau geführten Verhandlungen in: Erinnerungen 1953-1955, S.487-556.