Rhöndorfer Ausgabe Online
An Johannes Albers
, KölnStBKAH 08.51
Sehr geehrter Herr Albers!
Wie ich zu meinem großen Bedauern höre, ist zwischen den Sozialausschüssen und den katholischen Arbeitervereinen ein offener Konflikt ausgebrochen, in dessen Verlauf die Sozialausschüsse ihren Mitgliedern die Teilnahme an ihrer Herner Tagung1 verboten und Herrn Gockeln ersucht haben, dort nicht zu sprechen.
Zu meinem Leidwesen bin ich infolgedessen nicht in der Lage, wie verabredet, dort kurz zu sprechen, und zwar aus folgenden Gründen:
Eine Rede von mir würde als Stellungnahme gegen die katholischen Arbeitervereine nur zu leicht ausgelegt werden, und zwar um so mehr, als ich ja auf der offiziellen Einladung nicht als Redner angekündigt bin. Eine solche Unterstellung muß ich aber unter allen Umständen im Interesse der Sache vermeiden2.
Ich bitte Sie, versichert zu sein, daß ich eine baldmöglichste Beilegung dieses Konfliktes von Herzen wünsche.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihr ergebener
(Adenauer)
Reichstagung der CDU-Sozialausschüsse vom 28.-30.11.1947 in Herne, die zur Bildung der ›Reichsarbeitsgemeinschaft der Sozialausschüsse‹ (später mit Sitz in Königswinter) führte; vgl. Herbert Hömig, Johannes Albers, in: Zeitgeschichte in Lebensbildern Bd. 5, S. 215 und Gertrud und Johannes Kramer, Der Einfluß der Sozialausschüsse der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft auf die CDU, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 46-47 (1976), S. 21. Vgl. auch (zur Teilnahme Jakob Kaisers) das Schreiben an Johannes Albers vom 2.11.1947.
Zeitgenössischen Pressemeldungen zufolge, nahmen Adenauer und auch Gockeln dennoch teil; vgl. ›Die Welt‹ vom 29.11.1947, S. 3; vom 2.12.1947, S. 1 und vom 16.12.1947, S. 1.