Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

27. Oktober 1946

An den Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Erik Nölting

StBKAH 07.12, ohne Anrede mit ms. Briefkopf »Vorsitzender der Landtagsfraktion der CDU«


Anliegend überreiche ich Ihnen1 einen Brief des Geschäftsführers der Rheinischen Wäschefabrik G.m.b.H., Herrn Leo Sinn, Weiden b/Köln, mit der Bitte, festzustellen, warum die Firma Rheinische Wäschefabrik noch kein Permit bekommen hat. Die in dem Schreiben gemachten Angaben sind, wie ich persönlich weiß, durchaus zutreffend. Die Rheinische Wäschefabrik und ihr Geschäftsführer, Herr Leo Sinn, waren während der ganzen nationalsozialistischen Zeit bekannt wegen ihrer Opposition gegen den Nationalsozialismus, während die beiden anderen Kölner großen Wäschefabriken Proenen und Brügelmann2 am Nationalsozialismus reichlich verdient haben; ihre Inhaber waren z. T. in führenden Stellungen der Partei.

Wenn auch die früheren Inhaber dieser Firmen aus den Firmen nominell ausgetreten und durch Familienangehörige ersetzt sind, so halte ich es doch für ganz unmöglich, daß diese Fabriken der Rheinischen Wäschefabrik in einer solchen Weise vorgezogen werden.

Ich bitte, mit Nachdruck dafür zu sorgen, daß die Firma das Permit bekommt, und würde dankbar sein, wenn ich eine Mitteilung darüber erhielte, warum ausgerechnet diese Firma bis jetzt ein solches nicht erhalten hat.

Hochachtungsvoll
(Adenauer)


  1. ^

    Zur persönlichen Auseinandersetzung Adenauers mit Nölting kurz vor der hier nachgewiesenen ersten offiziellen Kontaktaufnahme zwischen Fraktionsführer und Ressortchef vgl. die Rede Adenauers vor dem CDU-Zonenausschuss am 26.9.1946; Druck: Helmuth Pütz (Bearb.), Konrad Adenauer, S. 186f.

  2. ^

    Angaben zu diesen beiden bedeutenden Unternehmen der Kölner Textilwirtschaft bei Walther Herrmann, Wirtschaftsgeschichte, S. 420, 455.