Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

27. Oktober 1946 (Rhöndorf)

An Pater Dr. Hubert Becher

, Bad Godesberg

StBKAH 07.01


Sehr geehrter Herr Pater Becher!

‹…›1

Die Beunruhigung wegen der anscheinend geplanten Neureform der höheren Schule in Düsseldorf wächst ständig2. Ich bin morgen in Düsseldorf und werde dann auch mit Fräulein Bardenhewer privat sprechen. Ob ich viel Erfolg habe, weiß ich nicht.

Was Herrn Amelunxen angeht, bitte ich Sie, versichert zu sein, daß wenigstens zwischen mir und Herrn Amelunxen nur sachliche Gegensätze bestehen. Ich fürchte allerdings, daß diese sehr tiefgehend sind. Durch seine langjährige Tätigkeit bei dem Ministerpräsidenten Braun ist Herr Amelunxen3 der Sozialdemokratie sehr nahegerückt. Wenn er tatsächlich, wie ich höre, jetzt ausgerechnet Herrn Spiecker noch in irgendeiner Stelle im Ministerium zwecks Bearbeitung auswärtiger Angelegenheiten anstellen würde4, würde er allerdings dem Faß den Boden ausschlagen.

Bei meinen Freunden hat man leider so wenig Vertrauen zu der Ehrlichkeit von Herrn Amelunxen, daß man auf dem Standpunkt steht, man dürfe mit ihm nur schriftlich verkehren.

Die Besserung meiner Frau hält an. Ich danke Ihnen sehr für Ihre Mitfreude.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    ‹…› Die ausgelassene Briefpassage enthält Angaben zum Gesundheitszustand eines Familienmitgliedes.

  2. ^

    Vgl. das Schreiben an Aloys Lammers vom 21.10.1946.

  3. ^

    Zur Tätigkeit Amelunxens als Ministerialrat im preußischen Staatsministerium und persönlicher Referent Otto Brauns 1923-1926 vgl. Rudolf Amelunxen, Ehrenmänner, S. 74-77

  4. ^

    Vgl. das Schreiben an William Asbury vom 5.12.1946.