Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

3. Januar 1948 (Rhöndorf)

An Dr. Eduard Christ

, Köln

StBKAH 07.18


Sehr geehrter Herr Christ!

Auf Ihr Schreiben vom 30.12.471 gestatte ich mir, zu erwidern, daß ich schon mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand von Fräulein Teusch und die gesamte Lage der Auffassung war, sie nicht zum Kultusminister zu ernennen, trotzdem Fräulein Teusch zweifellos in vieler Hinsicht durchaus geeignet sein würde, eine hohe Stelle im Staatsdienst zu bekleiden. Nachdem aber nun die Mehrheit der Landtagsfraktion sich für Fräulein Teusch entschieden hat, so ist wohl das Richtige, sie im Hinblick auf die Bedeutung des Kultusministeriums für unsere gesamten Ideale mit voller Kraft zu unterstützen. Ich hoffe, daß auch diejenigen, die anderer Ansicht bezüglich der Berufung einer Frau auf diesen Posten gewesen sind, als die Mehrheit der Fraktion es war, ihre Bedenken nunmehr zurückstellen und die Erfolge von Fräulein Teusch abwarten werden.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Christ, Vorstandsmitglied der Westdeutschen Bodenkreditanstalt in Köln, hatte die Berufung einer Frau zum nordrhein-westfälischen Kultusminister (vgl. das Schreiben an Christine Teusch vom 10.12.1947) als »Verfallserscheinung« gedeutet: »... wird unser Kultusministerium, das heute schon vielfach als ›Amazonenministerium‹ bezeichnet wird, ... [dadurch] an Ansehen nicht gewinnen ... «.