Rhöndorfer Ausgabe Online
An Dr. Hans Schlange-Schöningen, Stuttgart, und Dr. Johannes Semler, München
StBKAH 08.61, gleichlautende Schreiben mit je einer Textvariante (s.u.), Durchschlag mit Begleitschreiben an Dr. Josef Müller, München1
Sehr geehrter Herr Dr. Schlange-Schöningen!/
Sehr geehrter Herr Semler2
Für die nächste Zukunft der CDU bezw. CSU wird entscheidend sein, ob es den Direktoren der Zentralämter gelingt, in den nächsten Monaten eine Besserung der Lage des deutschen Volkes herbeizuführen. Wenn auch die Sachgebiete verschieden sind, so werden zweifellos doch viele Berührungen der Sachgebiete vorkommen, und es wird auch für die Stellung eines jeden einzelnen Direktors sowohl gegenüber den deutschen wie den alliierten Stellen der Zusammenhalt der Leiter von Bedeutung sein.
Weil Erfolg oder Mißerfolg der Arbeit der Direktoren von so entscheidender Bedeutung für unsere Partei [sind], bitte ich, mir zu gestatten, Ihnen nachstehende Anregungen mitzuteilen, die vielleicht schon überholt sind, wenn sie in Ihre Hände kommen:
1) Es würde wohl zweckmäßig sein, wenn möglichst bald die 5 Direktoren zusammentreten, um sich über die von ihnen zu verfolgenden Ziele zu verständigen.
2) Angehörige unserer Parteien oder Männer, die ihnen nahestehen, sind in einzelnen Ämtern, jedenfalls in dem Wirtschaftsamt Minden, nur in verschwindender Anzahl vorhanden. Es stehen aber zahlreiche gute Kräfte, die auf dem Gebiete der Verwaltung und Organisation oder auf wirtschaftlichem oder auf beiden Gebieten Erfahrung haben, zur Verfügung. Ich bitte deshalb, zu erwägen, ob nicht möglichst bald eine Besprechung mit Herrn Dr. Josef Müller, München, und mir über diese Fragen am Platze wäre.
[Nur an Schlange-Schöningen:] Ich schicke den selben Brief an Herrn Dr. Semler und an Herrn Dr. Josef Müller, München.
Mit vielen Grüßen
Ihr
(Adenauer)
P.S.: Nach Fertigstellung dieses Briefes kommt Ihr Schreiben vom 26.7.3 an. Ich möchte Ihnen versichern, daß ich mit der Unterstützung Ihrer Kandidatur nur eine sehr angenehme Pflicht erfüllt habe. Da Ihr Wunsch und mein Wunsch, uns möglichst bald zu sprechen, sich begegnen, hoffe ich, daß wir uns bald treffen werden.
[Nur an Semler:] Ich darf jetzt schon Ihnen, sehr geehrter Herr Semler mitteilen, daß ich glaube, einen sehr guten Mann für die Zentralverwaltung Ihres Amtes benennen zu können. Ich meine den jetzigen Oberkreisdirektor Rönneburg in Wolfenbüttel, der eine Zeit lang Minister in Braunschweig, vor 1933 längere Zeit in Zentralstellen der Reichsregierung tätig war4.
Ich schicke den selben Brief an Herrn Dr. Schlange-Schöningen und an Herrn Dr. Josef Müller, München
Mit ergebensten Grüßen
(Adenauer)
»… mit der Bitte, meine Wünsche unterstützen zu wollen.« Hierzu eine Meldung in ›Der Spiegel‹ Nr. 31 (1947), S. 1; vgl. auch das Schreiben an Wilhelm Roelen vom 16.8.1947.
Zum hier dargestellten ›Fall Semmler‹ Angaben in den Schreiben an L.H. Long vom 17.1.1948, an Otto Boelitz vom 28.1.1948, an Franz Schulte vom 10.2.1948 und an Albert C. Schweizer vom 16.2.1948.
Hierin: der Dank Schlange-Schöningens »für Ihre Unterstützung und Energie, mit der Sie meine Wahl in Frankfurt durchgesetzt haben.«
Weitere Empfehlungsschreiben für Heinrich Rönneburg richtete Adenauer am 21.8.1947 an Hans Schlange-Schöningen und Friedrich Holzapfel (unter Hinweis auf die kurz zuvor erfolgte Abwahl Rönneburgs aus seinem Amt als Oberkreisdirektor; StBKAH 07.16); vgl. die Schreiben an Joseph Zander vom 15.1.1948, an Heinrich Rönneburg vom 9.2.1948 und an Hans-Christoph Seebohm vom 5.4.1948.