Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

5. November 1946 (Rhöndorf)

An Oberbürgermeister Dr. Hermann Pünder

, Köln

StBKAH 08.54, mit ms. Vermerk »Persönlich!«, Durchschlag an Peter Schaeven, Johannes Albers, Dr. Fritz Fuchs, Dr. Ernst Schwering, Christine Teusch, alle Köln


Sehr geehrter Herr Pünder!

Erlauben Sie mir, nochmals auf die Frage des Programms der Kulturwoche zurückzukommen1. Seien Sie versichert, daß man, wenn man an einer exponierten Stelle steht wie Sie, gewöhnlich die kritischen Bemerkungen nicht zu hören bekommt. Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Es hat aber sehr viele kritische Bemerkungen gegeben, und zwar m. E. mit Recht.

Daß man Herrn Grimme eingeladen hat, über die deutsche Jugend in dem christlichen Köln nach diesen Wahlen zu sprechen, ist und bleibt weitesten Kreisen unverständlich. Herr Steinforth mag ein vortrefflicher Mann sein, aber er steht doch unserem kulturellen Denken offenbar sehr fern. Daß er damals unter mir zur Leitung einer Schule berufen worden ist, ändert daran nichts. Die Leitung einer Schule ist ja etwas ganz anderes als die Lenkung des kulturellen Lebens der im Wiederaufbau begriffenen Stadt Köln, die nach Ihren und unseren Intentionen ein Vorort nicht nur christlichen, sondern auch rheinischen Denkens werden soll. Gerade nach dieser Hinsicht haben viele von uns ungefähr alles vermißt, und wie mir scheint, mit Recht.

Nehmen Sie mir bitte diese offenen Worte nicht übel. Ich will Ihnen keineswegs die Freude an dem Gelingen der Woche im übrigen nehmen, aber unter der Überschrift: »Rhein und Europa« müßte man sich doch wohl ein anderes Programm vorstellen.

Mit vielen Grüßen
Ihr ergebener
gez.: Adenauer