Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

7. Dezember 1946 (Rhöndorf)

An Dr. Heinrich Billstein

, Köln

StBKAH 07.01


Lieber Herr Billstein!

Ihnen und Ihrer Frau danke ich recht herzlich für Ihre überaus lieben Wünsche zu meinem Namenstage1. Ich bedauere mit Ihnen, daß es mir durch meine starke Inanspruchnahme so schwer oder fast unmöglich ist, die persönlichen Beziehungen zu allen guten Freunden aufrecht zu halten. Seien Sie versichert, daß ich Ihrer oft denke und, wenn es nach mir ginge, auch schnell mal bei Ihnen vorbeikäme, aber es fehlt mir wahrhaftig an der Zeit dazu. Auch meine engste Familie hat von mir weniger, als sie jemals früher von mir gehabt hat.

Die schwere Krankheit meiner Frau hat mir große Sorgen gemacht. Sie werden das nähere wissen. Es geht ihr jetzt aber besser, sie muß sich aber noch lange Zeit sehr schonen, und daran hapert es leider.

Ich kann mich in Ihre Lage und die Lage Ihrer Frau sehr gut versetzen. Ich meine aber doch, daß das Jahr 1947 besser sein wird als das Jahr 1946, und ich bin fast überzeugt davon, daß Sie nächstes Jahr zu Weihnachten nicht nur wieder einige Zimmer ganz in Ordnung haben, sondern, daß auch dann die Verbindung mit Ihren Kindern wieder möglich ist.

Sehr bedauere ich die Krankheit Ihrer Frau. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie behindernd eine solche Entzündung für die Hausfrau ist, die ja ständig die Hände und die Arme gebrauchen muß.
Ich denke, es wird mir doch möglich sein, um Weihnachten oder Neujahr herum bei Ihnen vorbeizukommen.

Einstweilen wünsche ich Ihnen Beiden brieflich ein recht gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für 1947!

Mit vielen herzlichen Grüßen
Ihr


  1. ^

    Billstein hatte Adenauer am 23.11.1946 angeschrieben.