Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

9. Oktober 1947 (Rhöndorf)

An Bürgermeister Jakob Mölbert

, Honnef

StBKAH 08.33, Durchschlag mit Begleitschreiben an Dr. Reinhold Heinen, Köln (StBKAH 07.14)


Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Wie ich höre, wird gegen mich von kommunistischer Seite ein Flugblatt verbreitet, in dem folgende Behauptungen aufgestellt werden1:

1) ich hätte eine Wagenladung Kartoffeln bekommen,

2) ich hätte den Keller voll Koks,

3) ich hätte eine Hausgehilfin, die im französischen Gebiet wohne und durch die ich häufiger erhebliche Mengen von Lebensmitteln bezöge.

Dazu bemerke ich folgendes:

Zu 1):
Ich habe für meinen, wie Sie wissen, sehr großen Haushalt, die zugelassene Menge Einkellerungskartoffeln, 1 Zentner pro Kopf, vom Erzeuger bezogen.

Zu 2):
Ich habe im Keller noch einen Rest Koks aus den Vorjahren. Es ist mir aber auf meinen Antrag vom Wirtschaftsamt Siegburg ein Quantum Koks im Hinblick darauf, daß ich in meinem Hause ein Büro unterhalte und häufig Konferenzen abhalte, bewilligt worden2

Zu 3):
Ich habe keine Hausgehilfin, die im französischen Gebiet beheimatet ist3.

Ich lege auf die Verfolgung der Angelegenheit weiter keinen Wert. Ich möchte Sie nur ins Bild setzen, damit Sie auf eventuelle Fragen Antwort geben können.

Im übrigen darf ich noch darauf hinweisen, daß sehr häufig Leute, die mich aufsuchen, bei mir essen und übernachten müssen, da sie sonst hier nicht unterkommen können. Ich weiß, daß an anderen Orten für solche Fälle Beamten und Männern, die im öffentlichen Leben stehen, zusätzliche Mengen an Nahrungsmitteln bewilligt werden. Ich habe davon Abstand genommen, einen solchen Antrag zu stellen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
gez. Adenauer
 


  1. ^

    Das Flugblatt ist in StBKAH nicht erhalten. Einen Hinweis auf diesen Vorgang verdankte Adenauer Karl Arnold, der ihm am 8.10.1947 ein diesbezügliches Schreiben von Heinrich Dörr, Honnef, übermittelt hatte. Auf die auch nach der hier abgedruckten Richtigstellung fortgesetzten Angriffe (in der kommunistischen Tageszeitung ›Volksstimme‹) verweist eine Notiz Hohmann über ein am 23.10.1947 mit Reinhold Heinen geführtes Telefongespräch »…Sie hätten 35 Ztr. [Kartoffeln] bekommen, das wäre bei einer Ration von 50 Pfd. für den Winter für einen Haushalt von 70 Personen. In Honnef und Rhöndorf wäre jedoch von einem derartigen Familienzuwachs nichts bekannt.«). Vgl. das Schreiben an Cornel Berk vom 19.3.1948.

  2. ^

    Vgl. das Schreiben an den Bürgermeister von Honnef vom 22.8.1947.

  3. ^

    Vgl. das Schreiben an Pierre Arnal vom 30.7.1947.