Adenauer, Konrad als nach dem 2. Weltkrieg wieder eingesetzter Oberbürgermeister von Köln mit dem britischen Gouverneur für das Rheinland, Brigadegeneral John Barraclought (1945 Köln). (Quelle: Bundesregierung)

Konrad Adenauer als wieder eingesetzter Oberbürgermeister von Köln (1946) mit (v.l.) Frau Lilly Suth (Schwester Adenauers), Bürgermeister Schwering, unbekannt, Adenauer, Oberstadtdirektor Suth (Schwager) vor dem damaligen Ausweichquartier des Kölner Rathauses. (Quelle: Bundesregierung)

Konrad Adenauer, 1947. (Quelle: Bundesregierung/Erich Groote)

Konrad Adenauer im Parlamentarischen Rat (Bonn 1949). (Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung)

Am Ende des Zweiten Weltkriegs setzten die amerikanischen Besatzungstruppen Adenauer wieder in das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Köln ein, aus dem er im Oktober wegen angeblicher Unfähigkeit wieder entlassen wurde. Sein politischer Wiederaufstieg begann im Januar 1946 mit der Wahl in den Vorstand der CDU Rheinland für den Zonenausschuss der CDU, in der er fortan eine führende Rolle spielte: bei der Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, bald als Vorsitzender der CDU der britischen Zone, als führende Persönlichkeit des Zonenbeirats und vor allem als Präsident des Parlamentarischen Rats, der von September 1948 bis Mai 1949 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ausarbeitete.

Erneut Kölner Oberbürgermeister

Als amerikanische Truppen gegen Kriegsende im März 1945 das Rheinland eroberten, hatten sie den Auftrag, Kontakt mit dem ehemaligen Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, aufzunehmen und ihn wieder in das Amt einzusetzen. Auf ihrer Weißen Liste unbelasteter und verfolgter Personen der nationalsozialistischen Herrschaft stand Adenauer als Nr. 1. Doch Adenauer lehnte mit Rücksicht auf seine noch im Krieg sich befindenden Söhne zunächst ab und stellte sich als Berater zur Verfügung. Erst am 4. Mai 1945 übernahm er dann wieder das Amt des Oberbürgermeisters.

Trümmerstadt Köln

Köln war bei Kriegsende eine Trümmerstadt. Lebten zu Kriegsbeginn 1939 768.000 Menschen in der Stadt, so waren es 1945 gerade noch etwa 100.000 Einwohner. Täglich strömten die Kölner wieder zurück, etwa 1000 Menschen pro Tag. Verbesserung der Versorgungslage, Wohnraumbeschaffung, Wiederaufbau von Stadt und Verwaltung und vor allem die Heimholung der aus Köln stammenden KZ-Häftlinge sah Adenauer als seine vorrangigsten Aufgaben an.

Wiederaufbau

Neben dem In-Gang-Setzen des Wirtschaftslebens hatte Adenauer die künftige Stadtplanung im Blick. Er wollte der Innenstadt wieder ihr einzigartiges historisches Gepräge zurückgeben. Zugleich nahm er alte Pläne aus der Zeit Ende der 1920er Jahre zur Eingemeindung des Kreises Köln-Land wieder auf.

Entlassung wegen "Unfähigkeit" und Rehabilitierung

War das Verhältnis zu den amerikanischen Militärmachthabern recht gut, so änderte sich das mit den nachfolgenden Vertretern der britischen Besatzungszone. Konflikte waren die Folge. Anlass für seine Entlassung als Oberbürgermeister am 6. Oktober 1945 durch den britischen Brigadier Barraclough war die Auseinandersetzung über das Verbot der britischen Militärregierung, Brennmaterialien an die Bevölkerung abzugeben. Adenauer wurde "Unfähigkeit" und "mangelnde Tatkraft" vorgeworfen. Vermutlich spielten auch seine indirekten Kontakte zu Vertretern der französischen Militäradministration eine Rolle. Denn ihm wurden alle politische Betätigung und das Betreten der Stadt Köln verboten. Doch schon im Dezember 1945 wurde Adenauer durch die britische Regierung rehabilitiert.

Aufstieg in der CDU

Adenauer hatte sich bei Kriegsende von der Zentrumspartei abgewandt. Mitglieder der in Köln neu gegründeten Christlich-Demokratischen Union gewannen den zur einer neuen parteipolitischen Orientierung bereiten Kölner Oberbürgermeister zur Mitarbeit und wählten ihn am 2. September 1945 in Abwesenheit bei der Gründung der CDU Rheinland in den Vorstand. Nach dem politischen Betätigungsverbot begann Adenauers parteipolitische Karriere erst im Januar 1946 mit seiner Wahl für den Zonenausschuss der CDU durch den Vorstand der CDU Rheinland. Auf der ersten Tagung des CDU-Zonenausschusses am 22./23. Januar 1946 in Herford wurde er zum vorläufigen Vorsitzenden gewählt. Am 5. Februar 1946 folgte in Krefeld-Uerdingen die Wahl zum ersten Vorsitzenden der CDU Rheinland. Mit dieser politischen Rückenstärkung setzte er sich auf der zweiten Tagung des CDU-Zonenausschusses am 1. März 1946 in Neheim-Hüsten endgültig zum Vorsitzenden gegen den westfälischen Landesvorsitzenden Friedrich Holzapfel durch und hatte damit alle wichtigen parteipolitischen Schlüsselstellungen inne.

Maßgebliche Arbeit am CDU-Programm

Das am 1. März 1946 verabschiedete CDU-Programm trug ganz wesentlich Adenauers Handschrift. "Alles wird aus der Freiheit der menschlichen Persönlichkeit entwickelt: Staat, soziales Leben, Wirtschaft, Kultur", war eine der grundlegenden Aussagen. Damit stellte er Verfechter des "christlichen Sozialismus" ideologisch ins Abseits und baute eine geistige Front gegen jegliche Spielart von Sozialismus und Materialismus auf.

Konzept der „Sozialen Marktwirtschaft”

Vor allem an der Entwicklung der wirtschafts- und sozialpolitischen Leitsätze der CDU hatte Adenauer maßgeblich Anteil. Besitzerwerb sah er als wesentliches Element zur „Sicherung des demokratischen Staates" an und befürwortete eine „möglichst breite Streuung des Besitzes" aus „sozialen wie politischen Gründen". An der programmatischen Erklärung zur „Neuordnung unserer Wirtschaft", die am 1. März 1947 vom CDU-Zonenausschuss in Ahlen/Westfalen verabschiedet wurde (Ahlener Programm), wirkte er ebenso mit. Eine wichtige Grundsatzentscheidung für die Soziale Marktwirtschaft fiel im Wirtschaftsrat der Bizone, als am 24. Juli 1947 nur Kandidaten von CDU und CSU zu Direktoren der fünf Hauptverwaltungen gewählt wurden, unter ihnen Ludwig Erhard. Sie übernahmen nun die Verantwortung für die Wirtschaftspolitik, schafften es, die Versorgungs- und Hungersnöte zu bekämpfen, und stellten die Weichen für die Währungsreform 1948, mit der die Deutsche Mark die Reichsmark als neues offizielles Zahlungsmittel ablöste.

Arbeit im Zonenbeirat

Die Empfehlungen des Zonenbeirats, eingerichtet von der britischen Kontrollkommission, hatten zwar keinen verbindlichen Charakter. Doch stellte das Gremium eine wichtige Klammer für die Deutschen zur Besatzungsmacht dar. Adenauer unterhielt darüber direkten Kontakt mit dem britischen Militärgouverneur und versuchte, Einfluss auf die Besatzungspolitik zu nehmen, weil hier über alle Fragen vom Ernährungsnotstand bis zur Steigerung der Kohlenförderung, von der Jugenderziehung bis zur Umsetzung der alliierten Befehle gesprochen wurde.

Parlamentarischer Rat

Als die drei Westmächte in Absprache mit den Beneluxstaaten auf ihrer Sechsmächte-Konferenz in London "Empfehlungen" zur Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung beschlossen, die zur Gründung eines westdeutschen Staates führen sollte, wurde er als Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen in den Parlamentarischen Rat entsandt. Dieser trat am 1. September 1948 in Bonn zusammen und wählte Adenauer zu seinem Präsidenten. Damit erlangte er einen entscheidenden Einfluss auf die Ausgestaltung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, das er als Ergebnis der Arbeiten nach Genehmigung durch die drei Westmächte am 23. Mai 1949 verkündete.

Hanns Jürgen Küsters