Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

12. November 1946 (Rhöndorf)

An Dr. Wim J. Schmitz

, Heemstede, Niederlande

StBKAH 08.34


Lieber Herr Schmitz!

Ihren Brief vom 12.9. d. Js. habe ich erhalten und mich herzlichst darüber gefreut1. Ich habe, wie immer, daraus ersehen, wie sehr Sie sich menschlich mit uns verbunden fühlen und daß die Zeiten nichts daran geändert haben. Max wird Ihnen wahrscheinlich näheres über uns berichtet haben. Daß Ihre Schwester gestorben ist, hat er mir erzählt, und ich bedauere ihren frühen Tod sehr. – Daß es Ihnen und Ihrer Familie und auch wirtschaftlich gut geht, freut uns besonders.

Meine politische Tätigkeit macht mir sehr viel Arbeit und Mühe. Ich werde vielleicht in der nächsten Zeit die Einreiseerlaubnis für Holland bekommen, um dort die Herren Professor Dr. Poels, Venray/Limburg, Senator De Bruyn in Utrecht und Serrarens in Bilthoven aufzusuchen2. Wenn ich diese Einreiseerlaubnis bekomme, so hoffe ich, auch Sie und Ihre Frau und Ihre Kinder einmal sehen zu können.

Meine Frau war lebensgefährlich an Lungenentzündung erkrankt, vom Arzte aufgegeben. Sie ist jetzt Rekonvaleszentin, muß sich aber außerordentlich in acht nehmen. Bei ihrer Erholung spielt natürlich die Ernährungsfrage eine ganz entscheidende Rolle. Mir wird jetzt mehr denn je zuvor klar, was Sie in Holland gelitten haben müssen.

Paul studiert Theologie in Bonn, Lotte Philologie ebenfalls in Bonn, Libet bereitet sich auf ihr Abitur im »Sacre cœur« in Pützchen vor, Schorsch ist auf dem Aloisiuskolleg in Godesberg.

Alles andere möchte ich mir auf den hoffentlich demnächst stattfindenden mündlichen Austausch versparen. Seien Sie, Ihre Frau und Ihre Kinder bis dahin herzlichst von uns allen gegrüßt, wie immer,

Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Sein Schreiben hatte er durch »Lieutnant-Kolonel G. de Beurs« überbringen lassen, der »von der holländischen Regierung beauftragt [sei], die holländischen Interessen in Deutschland … zu vertreten.«

  2. ^

    Vgl. die Schreiben an William Asbury vom 17.10.1946 und an Wim J. Schmitz vom 24.12.1946.