Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

15. September 1947 (Rhöndorf)

An Josef Herbold

, Köln-Ostheim

StBKAH 07.20


Sehr geehrter Herr Herbold1!

Mir scheint, daß es besser ist, wenn Sie in Ihrem früheren Beruf wieder Verwendung finden. Ich befürchte, die Öffentlichkeit würde es nicht verstehen, wenn man einen Beamten, der früher im Gefängnis-Dienst tätig war, zum Leiter eines Waisenhauses ernennen würde. Ich werde Sie Herrn Justizminister Heinemann, Düsseldorf, dringend empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Zu Josef Herbold (bis 1945 Direktor der Kölner Haftanstalt Klingelpütz) nähere Angaben bei Josef Hofmann, Journalist, S. 132, 160. Hofmanns Erinnerungen an Herbold bestätigen Adenauers Aussagen in dem Schreiben an Gustav Heinemann; erstmals war Adenauer bereits 1945 auf das Schicksal Herbolds aufmerksam gemacht worden (Schreiben von Ildefons Herwegen vom 21.6.1945: »... hat alles aufgeboten, um den politischen Gefangenen ihr Los zu erleichtern …,… ein Apostel der christlichen Caritas im Gefängnis… «; StBKAH 07.01).

    Zur Rehabilitierung und beruflichen Wiederverwendung ist ein Schreiben Herbolds an Adenauer vom 3.7.1948 erhalten (Übernahme der Leitung eines Gefängnisses in Koblenz, »nachdem mir durch ein sehr energisches Eingreifen des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs von Trier [Franz Rudolf Bornewasser] die Zuzugsgenehmigung beschleunigt erteilt wurde.«).