Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

15. September 1947 (Rhöndorf)

An Justizminister Dr. Gustav Heinemann

, Düsseldorf

StBKAH 07.20, mit ms. Vermerk »Persönlich!«


Sehr geehrter Herr Heinemann!

Ein Herr Josef Herbold, Köln-Ostheim, Hardtgenbuscher Kirchweg 121, war früher im Strafvollzugsdienst tätig. Ich weiß schon aus der Nazizeit, daß Herr Herbold, der im Gefängnis in Köln beschäftigt war, unter eigener Gefährdung alles Menschenmögliche getan hat, den Verurteilten, insbesondere den zum Tode Verurteilten, ihr Los zu erleichtern. Es ist mir das genau bekannt. Nichtsdestoweniger ist Herr Herbold nach Einrücken der Amerikaner festgesetzt und auf das Schwerste mißhandelt worden. Ich halte es für ein Gebot der Gerechtigkeit, Herrn Herbold wieder in eine seiner früheren Stelle entsprechende einzusetzen.

Ich bitte Sie, den anliegenden Lebenslauf und die Abschrift einer Erklärung des früheren Generalstaatsanwalts Win[d]hausen1 sowie einer Schwester Hiltrud doch einmal durchzulesen und Herrn Herbold einmal kommen zu lassen.

Ich danke Ihnen im voraus bestens und bin mit ergebenen Grüßen
Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Zu Windhausen (1933-1943 Leiter der Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht Köln, zugleich Funktionär der NSDAP) vgl. Adolf Klein, Die rheinische Justiz, S.231, 263.