Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

16. Februar 1948 (Rhöndorf)

An Captain Albert C. Schweizer

, München

StBKAH 07.06


Lieber Herr Schweizer!

Haben Sie vielen Dank für Ihren Brief vom 7. d. Mts. Auf die darin behandelte Angelegenheit Dr. Semler komme ich in einem zweiten Schreiben, das ich beilege, zurück1.

Es liegt auf meinem Schreibtisch noch immer Ihr Neujahrswunsch mit dem reizenden Bild Ihrer beiden Töchter2 Ich wollte Ihnen ausführlicher schreiben, aber ‹gerade die› Briefe von mir nahestehenden Freunden von Weihnachten und Neujahr habe ich noch nicht wegen Mangel an Zeit beantworten können. Daß Ihre Töchter schon so groß sind, haben meine Frau und ich uns nicht vorgestellt. Es scheinen ganz famose Mädels zu sein, die sich anscheinend in Bayern recht wohl fühlen.

Ich hoffe, daß es auch Ihrer Gattin und Ihnen recht gut geht. Ich freue mich, daß Ihre Frau für bayerische Kinder so gut gesorgt hat. Ich bedauere immer wieder, daß Sie damals Köln und das Rheinland verlassen haben. Unser Weihnachtsfest war durch die schwere Erkrankung meiner Frau leider sehr getrübt. Sie ist jetzt vier Monate im Johannes-Hospital in Bonn. Die Ärzte und wir waren zeitweise sehr besorgt um ihr Leben. Wenn wir auch wieder etwas Hoffnung haben, so ist doch ihr Zustand nach wie vor sehr ernst. Drei meiner Kinder studieren in Bonn. Sie können meine Frau regelmäßig besuchen. Auch ich versuche, möglichst täglich zu ihr zu kommen, soweit das irgendwie meine starke Inanspruchnahme zuläßt. Wir hoffen jetzt, daß der kommende Frühling günstig einwirken wird. Bei uns blüht schon die erste Aprikose im Garten! Wenn hier am Rhein alles blüht, müssen Sie mit Ihrer Gattin hierher kommen. Der Rhein ist dann doch am schönsten.

Seien Sie nebst Frau und Kindern herzlichst von uns gegrüßt.

Ihr
(Adenauer)


  1. ^

    Vgl. das Schreiben an Albert C. Schweizer vom 16.2.1948.

  2. ^

    »Season's greetings« Schweizers o. D. (»Munich 1947«).

  3. ^

    ‹ › hs. von Adenauer korrigiert aus »alle«.