Rhöndorfer Ausgabe Online
An Reichsminister a.D. Dr. Hans Schlange-Schöningen
, HamburgStBKAH 08.18
Sehr verehrter Herr Schlange!
Wenige Minuten, nachdem Sie mich von dem Vertreter der »Welt«1 hatten loseisen wollen, konnte ich mich freimachen, um unsere Unterredung fortzusetzen. Ich habe Sie dann im ganzen Hause gesucht, aber leider nicht gefunden. Wenn es sich um dringende Angelegenheiten handelt, können Sie mir vielleicht auf irgendeinem Wege eine Mitteilung darüber zukommen lassen.
Ich wünsche Ihnen nochmals Glück zu dem Ablauf der Debatte im Zonenbeirat2. Ich darf aber auch nochmals Ihnen den dringenden Rat geben, mehr an die Öffentlichkeit solche Ausführungen gelangen zu lassen als bisher. Der Unmut aller Betroffenen, insbesondere auch der Verwaltungen der Städte, richtet sich naturgemäß in erster Linie gegen Sie bezw. Ihr Amt. Ich glaube, daß Sie durch Klarlegung der Schwierigkeiten, die sich aus Umdisponierungen ergeben, sehr viel Beruhigung schaffen können3. Ich halte es weiter für dringend erwünscht, daß Sie ausführlicher in der Öffentlichkeit zur Sprache bringen oder zur Sprache bringen lassen die englischen Pläne betreffend Umgestaltung unseres ganzen Agrarwesens und Ihre Stellungnahme dazu.
Mit vielen Grüßen
Ihr sehr ergebener
(Adenauer)
Das am 29.11.1946 geführte Interview wurde in ›Die Welt‹ vom 30.11.1946, S. 1 und 3 veröffentlicht (›Drei Forderungen an die britische Militärregierung‹: »[e]inen Nahrungsmittelkredit aus Amerika, die Einstellung der Demontage und eine Amnestie für die Mitläufer«; vgl. das Schreiben an Alfred Jankuhn vom 30.12.1946).
Druck der Ausführungen Hans Schlange-Schöningens zur Ernährungslage und der anschließenden Zonenbeiratsdebatte am 27-29.11. 1946: Akten zur Vorgeschichte Bd. 1, S. 1061-1069.
Vgl. das Schreiben an Hans Schlange-Schöningen vom 22.12.1946.