Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

2. September 1947 (Rhöndorf)

An Dr. Friedrich Holzapfel

, Herford

StBKAH 08.52


Lieber Herr Holzapfel!

In der Zwischenzeit wird Herr Spiecker zum Mitglied des Exekutivrats gewählt worden sein1. Die Gründe, die dafür sprachen, hat Ihnen wohl Herr Pferdmenges in meinem Auftrage mitgeteilt. Ich glaube, daß Sie mit Herrn Spiecker nicht so schlecht fahren werden, wenn Sie mit ihm nachbarliche Beziehungen aufnehmen.

Die Bevölkerung erwartet schon bald positive Arbeiten des Wirtschaftsrates. Für die natürlich absolut notwendigen inneren Auseinandersetzungen mit dem Exekutivrat bringt sie wenig Interesse auf. Meines Erachtens muß in der Frage der Kartoffelversorgung und Brennstoffversorgung für den Winter seitens des Wirtschaftsrats baldigst ein Beschluß gefaßt werden, der die Öffentlichkeit etwas beruhigt. Auch wird es wohl sich empfehlen, sehr ernsthaft die Frage zu prüfen, welche Teile der Zwangswirtschaft abgebaut werden können. Gerade nach der Richtung muß die nicht sozialistische Mehrheit des Wirtschaftsrates etwas tun.

Ich kann wegen einer akuten Erkrankung nicht nach Berlin fahren, hoffe aber, am 7. September in Gescher sprechen zu können2. Ich werde dann nach Hamburg zum Zonenbeirat gehen. Falls Sie nicht in Hamburg sind, werden wir uns an einem Tage in Ruhe einmal zusammensetzen müssen, um über eine Reihe von Fragen uns auszutauschen.

Mit vielen Grüßen
Ihr ergebener
(Adenauer)


  1. ^

    Vgl. Anm. 1 im Schreiben an Carl Spiecker vom 30.7.1947 und das Schreiben an Friedrich Holzapfel vom 21.8.1947.

  2. ^

    Teilnahme Adenauers am ersten Kreisparteitag der CDU des Kreises Coesfeld in Gescher am 7.9.1947; vgl. Anm. 1 im Schreiben an L. Kieselstein vom 22.9.1947. Vgl. auch Werner Conze, Jakob Kaiser, S. 168f.

  3. ^

    Vgl. das Schreiben an Carl Spiecker vom 19.10.1947.