Rhöndorfer Ausgabe Online
Aktennotiz über ein Gespräch mit Dr. Carl Spiecker
StBKAH 08.55, mit eh. Entwurf Adenauers1
Die Besprechung hat stattgefunden. Wir haben beide zugesagt, sie als absolut vertraulich zu behandeln. Herr Spiecker fragte zuerst, ob es richtig sei, wenn die Zentrumspartei als kleine Brücke zur SPD hin bestehen bleibe. Im Laufe der Unterredung betonte er immer wieder, eine Partei der Mitte sei nötig. Das sei das Zentrum.
Ich erwiderte ihm hierauf, welche Einstellung er dann habe, wenn eine Rechtspartei von einiger Bedeutung entstehe ‹,dann sei doch die CDU in der Mitte›2. Er erklärte, daß dann das Zentrum seine Daseinsberechtigung verloren habe. Ich machte ihm den Vorschlag, als sich herausstellte, daß er von einem Aufgehen der Zentrumspartei in die CDU wenigstens z. Zt. nichts wissen wolle, daß die beiden Parteien sich vor wichtigen Entscheidungen gegenseitig konsultieren sollten. Hierauf wollte er nicht eingehen. Ich hatte das Empfinden, daß er durch eine solche Zusage seine Stellung gegenüber der SPD beeinträchtigt glaubte. Er betonte wiederholt, daß die SPD zu ihm ein gewisses Vertrauen habe.
Zum Schluß erklärte er, daß das Zentrum ohne einen sichtbaren Anlaß nicht zu uns kommen könne. Es würde in einem solchen Falle ein Teil ihrer Wähler zur SPD gehen.
Wir beide, er und ich, sollten uns vor Entscheidungen wichtiger politischer Fragen konsultieren. Ein Auseinanderbrechen der Koalitionsregierung aus Anlaß der Verabschiedung der Verfassung schien ihm ein wichtiger äußerer Anlaß zu sein. Er sagte noch, daß vor der Regierungsbildung SPD und KPD an das Zentrum herangetreten seien mit dem Vorschlage einer gemeinsamen Regierungsbildung ohne CDU, daß er sich aber darauf nicht eingelassen habe. Er sagte weiter, daß, falls die damaligen Bemühungen um Bildung einer Koalitionsregierung durch Arnold gescheitert seien, die Bildung einer Regierung durch Zentrum und CDU das Natürliche gewesen sei3. Er habe auf einen solchen Vorschlag schon lange gewartet.
Die Unterredung verlief in angenehmen Formen.
Hierin vermerkt: Datum (16.8.) und Ort der Begegnung (im Hause des Kölner Polizeipräsidenten Karl Winkler;. Zur Vorgeschichte der hier auf privater Ebene fortgesetzten Verhandlungen zwischen CDU und Zentrum vgl. das Schreiben an Carl Spiecker vom 6.4.1946 und die Aktennotiz über eine Besprechung bei Stadtdechant Grosche vom 13.4.1946 sowie die Angaben bei Detlev Hüwel, Karl Arnold, S. 151.
‹ › hs. Von Adenauer eingefügt.
Hierzu liegen dieser Aktennotiz bei: Abschriften eines Schriftwechsels Arnold-Spiecker (o. D.), der beiderseits Beteuerungen der Bereitschaft engerer Kooperation (zur Überwindung parteipolitischer Zersplitterung) enthält.