Rhöndorfer Ausgabe Online
Aktennotiz über Gespräche zur Regierungsbildung in Nordrhein-Westfalen
StBKAH 08.63
Bei der Zonenbeiratssitzung am 30. April 1947 habe ich Herrn Henßler, Dortmund, gefragt, ob er mein Telegramm1 erhalten habe. Er verneinte die Frage. Er sei Montagfrüh von Dortmund abgefahren. Ich habe ihm den Inhalt mitgeteilt. Er hat mir geantwortet, für den Nachmittag habe Ministerpräsident Amelunxen die Vertreter der Fraktionen von Nordrhein-Westfalen zu einer Besprechung in Hamburg zusammengebeten. Man werde dann ja näheres hören.
Diese Besprechung fand nachmittags statt. Herr Amelunxen erklärte folgendes:
Herr Asbury habe ihn gefragt, ob er bereit sei, Ministerpräsident zu werden und die Bildung eines Kabinetts zu übernehmen. Er, Amelunxen, habe ihm darauf erklärt, nachdem nunmehr gewählte Landtage da seien, erscheine ihm dieses Verfahren nicht demokratisch zu sein. Er sei der Ansicht, daß der Landtag den Ministerpräsidenten wählen solle. Herr Asbury habe dem zugestimmt. Es wurde dann weiter über den Termin des Zusammentritts des Landtags verhandelt. Die Frage der Wahl in Kleve2 spielte dabei eine Rolle, da es sich ja nicht um eine Nachwahl im üblichen Sinne, sondern um einen Teil der gesamten Wahl handele. Herr Blücher machte insbesondere darauf aufmerksam, daß der Landtag erst zusammentreten könne, wenn diese Wahl stattgefunden habe. Bisher war als Termin für diese Wahl der 18. Mai in Aussicht genommen. Eine Rückverlegung auf den 11. Mai, so daß der Landtag am 13. und 14. Mai zusammentreten könnte, war zweifelhaft. Der Landtag wird also entweder in der mit dem 11. Mai oder der mit dem 18. Mai beginnenden Woche zusammentreten.
Ich sprach dann nochmals Herrn Henßler. Er sagte mir, daß die sozialdemokratische Landtagsfraktion am 2. Mai Sitzung habe. Er würde mir danach Bescheid geben wegen einer Besprechung.
Ich habe nach meiner Rückkehr nach Rhöndorf Herrn Asbury den in Abschrift beiliegenden Brief geschrieben.##
Am 2. Mai vormittags wurde ich telefonisch auf 4 Uhr nachmittags zu einer Besprechung zu Herrn Asbury gebeten. Ich traf dort an: Herrn Asbury, den Brigadier Barraclough, Herrn Long vom Intelligence Service und einen Dolmetscher. Ich war geladen worden wegen eines Interviews, das ich nach der Wahl der »Kölnischen Rundschau« gegeben und in dem ich von der britischen Militärregierung erklärt hatte, daß die britische Militärregierung hinsichtlich der Wahlen nicht ganz fair gehandelt hätte3. Nachdem diese Angelegenheit vorläufig erledigt war, habe ich den Brief durch den Dolmetscher Herrn Asbury übersetzen lassen. Herr Asbury erklärte, er sei dahin informiert worden, daß die CDU unmögliche Bedingungen für ihre Mitarbeit stelle. Ich habe ihn gefragt, woher er diese Information habe. Er erwiderte, daß sei seine Information. Ich habe ihm geantwortet, dann sei seine Information falsch. Die CDU sei durchaus zur Mitarbeit bereit. Das beweise ja auch mein ihm bekanntes Telegramm an Herrn Henßler. Er sagte dann, meine Äußerungen über Herrn Amelunxen zeigten, daß entweder ich oder meine Partei Herrn Amelunxen nicht wollten. Ich habe ihm geantwortet, Herr Amelunxen sei seinerzeit zum Ministerpräsidenten ernannt worden, weil er erklärt habe, ##parteilos#Verlinkung Amelunxen 27.4.47# zu sein. Wenn nun Herr Amelunxen vor der Wahl in eine Partei eintrete, ohne gleichzeitig den Posten eines Ministerpräsidenten niederzulegen, so sei das nach unserer Auffassung unkorrekt. Er erwiderte, er wolle sich in diese Dinge nicht einmischen. Er werde mein Schreiben überlegen und mir Antwort geben4.
(Adenauer)
Vgl. das Schreiben an Fritz Henßler vom 27.4.1947.
Zur Nachwahl im Kreis Kleve vgl. Walter Först, Geschichte, S. 261; zu diesem Vorgang ist in StBKAH 08.52/08.53 Korrespondenz mit der CDU-Kreispartei Kleve und dem Geschäftsführer der CDU-Kreispartei Siegen, Ernst Bach, erhalten.
Vgl. Anm 1. im Schreiben an Rudolf Amelunxen vom 27.4.1947 sowie das Schreiben an William Asbury vom 5.5.1947 und die Aktennotiz über Gespräche mit John Barraclough vom 14.5.1947.
Von diesem Antwortschreiben vom 5.5.1947 ist in StBKAH erhalten: eine am 13.5.1947 in Rhöndorf angefertigte ms. Niederschrift des zuvor aus dem CDU-Zonensekretariat in Köln telefonisch und in Übersetzung durchgegebenen Originalwortlauts.