Störer Jahresbericht

Rhöndorfer Ausgabe Online

7. März 1947 (Rhöndorf)

An die Lizenzträger der »Kölnischen Rundschau«

StBKAH 07.14, Verteiler: »Herrn Dr. Reinhold Heinen, Köln; Herrn Dr. Wester, Köln; Herrn Justizrat Hugo Mönnig, Bad Godesberg; Herrn Rechtsanwalt Dr. Fuchs, Köln; Herrn Josef Baumhoff, Präsident der Reichspostdirektion, Köln-Lindenthal«


Sehr geehrte Herren!

In der Landtags-Session am 3. bis 6. März 1947 hat die CDU einen glänzenden Sieg über KPD und SPD errungen. . Es ist ihr gelungen, mit einer Mehrheit von 104:91 Stimmen1 mit ihrem großen Programm für den Neuaufbau der Wirtschaft und die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen Sieg zu erringen. Es war dies die stärkste Bewährungsprobe, der die CDU unterworfen werden konnte. Diese Abstimmung ist umso wichtiger, als dadurch wohl die Bemühungen der britischen Regierung zur Verstaatlichung der Schlüsselindustrien zu Fall gebracht worden sind. Ich bitte Sie, den Bericht, den die »Kölnische. Rundschau« über diese Angelegenheit bringt, zu lesen und insbesondere die Überschrift »Volksentscheid abgelehnt«. Die Redaktion der »Rheinischen Zeitung« oder der »Volksstimme« hätte zur Vertretung ihres Standpunktes keine bessere Überschrift wählen können, als dies die »Kölnische Rundschau« getan hat.

Ich bin als Vorsitzender der Zone und als Vorsitzender der Landespartei nicht mehr in der Lage, diesen Verhältnissen bei der »Kölnischen Rundschau« länger zuzusehen. Ich bitte, mir binnen 14 Tagen genaue Vorschläge über eine Änderung in den redaktionellen Verhältnissen vorzulegen. Ich bin sonst gezwungen, dem geschäftsführenden Vorstand die Angelegenheit vorzutragen und den Antrag zu stellen, der britischen Militärregierung mitzuteilen, daß die CDU die »Kölnische Rundschau« wegen der von ihr bewiesenen Unfähigkeit nicht mehr länger als ein der CDU nahestehendes Organ ansehen kann2.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
(Adenauer)


  1. ^

    Mit dieser Mehrheit war am 5.3.1947 im nordrhein-westfälischen Landtag ein Antrag der SPD-Fraktion »betr. Gesetz über eine Volksbefragung wegen Überführung der Kohlenwirtschaft der eisen- und stahlschaffenden Schwerindustrie und der Großchemie in Gemeingut« abgelehnt worden. Mit nicht ausgezählter Mehrheit wurden von der FDP unterstützte CDU-Anträge zur Neuordnung der »industrielle[n] Wirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen« angenommen. Hierzu: Stenographischer Bericht über die 5. Vollsitzung vom 4. (!) bis 6.3.1947, S. 63 sowie die Angaben zur Sozialisierungsdebatte bei Paul Weymar, Adenauer, S. 331-333, 755-764; Walter Först, Geschichte, S. 234 und Peter Hüttenberger, Nordrhein-Westfalen, S. 411f.

  2. ^

    Vgl. Rudolf Morsey, Konrad Adenauer und die Gründung, S. 110 und die Angaben in dem Schreiben an Hans Rörig vom 18.4.1946, an Reinhold Heinen vom 8.2.1947 und in dem Schreiben an Fritz Haun vom 10.2.1947.