Carrie Stubbs, 1948

Adenauer in Maria Laach (1933).

Adenauer im Berliner Tiergarten (1934).

Adenauer liest den Völkischen Beobachter (1940)

Adenauer 1938 mit seiner Familie auf dem Balkon in Rhöndorf. (Quelle: StBKAH)

In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur hatte Adenauer um sein Überleben zu kämpfen. Verleumdungen und Vorwürfen ausgesetzt, zog er sich zeitweise in die Abtei Maria Laach zurück, lebte dann zwangsweise als Pensionär mit seiner Familie in Rhöndorf. In der Zeit des Dritten Reiches wurde er mehrmals von der Gestapo verhaftet und unter Aufsicht gestellt.

Vorwürfe und Verleumdungen

Vorwürfe, Verleumdungen, Beleidigungen und geplante Terrorakte der Nationalsozialisten gegen seine Person hatten Adenauer am 13. März 1933 veranlasst, nach Berlin zu fahren, um sich bei Göring über das Vorgehen des Regierungspräsidenten Elfgen zu beschweren. Von den Abgeordneten der Zentrumspartei in der Stadtverordnetenversammlung Kölns fühlte er sich hintergangen, da sie ihn nicht gegen die Vorwürfe der Nationalsozialisten in Schutz genommen hatten.

Dienststrafverfahren

In Berlin lebte Adenauer zunächst in der ihm zustehenden Dienstwohnung des preußischen Staatsratspräsidenten. Gesperrte Konten, ohne weitere Gehaltszahlungen, von der Familie abgeschnitten, hoffte er nun durch ein selbst eingeleitetes Dienststrafverfahren beim preußischen Innenminister die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entkräften zu können. Eine jahrelange, Nerven aufreibende Auseinandersetzung mit der Stadt Köln um nicht gezahlte Dienstbezüge und Wohnungsgeldentschädigungen begann. Erst am 28. August 1937 erfolgte ein Vergleich, der ihm 150.000 Mark einbrachte, jedoch nicht dem Wert der Immobilien entsprach, die er an die Stadt verkaufte, die dafür die Hypotheken übernahm.

Berlin - Maria Laach - Rhöndorf

Von April 1933 an kam Adenauer zunächst in der Benediktinerabtei Maria Laach unter, wo ihn der ehemalige Schulkamerad Abt Alfons Herwegen aufnahm. Im Mai 1934 mietete Adenauer ein Haus in Berlin-Neubabelsberg, wurde dort im Zusammenhang mit der "Röhm-Affäre" für einige Tage verhaftet und befürchtete gar, in diesen Tagen ermordet zu werden. Ende April 1935 zog die Familie Adenauer nach Rhöndorf ins Siebengebirge in ein Mietshaus. Dort wurde er im August 1935 aufgrund einer Regierungsverfügung ("Fähndelschwenken-Affäre") aus dem Regierungsbezirk ausgewiesen. Nach kürzerem Aufenthalt in der Abtei Maria Laach kam er dann für zehn Monate im Pax-Erholungsheim für katholische Priester in Unkel am Rhein unter. In dieser für ihn schweren Zeit hegte er zeitweise Selbstmordabsichten. Als im August 1936 die Ausweisung aufgehoben wurde und sich der Vergleich anbahnte, wurde der Bau des Hauses am Zennigsweg 8a in Rhöndorf in Angriff genommen. Das Haus war im Dezember 1937 bezugsfertig.

Innere Immigration

Seit 1933 hatte sich Adenauer aus der Öffentlichkeit vollkommen zurückgezogen und lebte sozusagen in innerer Immigration. Kontakte unterhielt er nur zu wenigen Personen. Anschluss an Widerstandsgruppen gegen das Hitler-Regime lehnte er ab. In die Widerstandskraft des Militärs hatte er wenig Vertrauen. Gleichwohl rechnete die Widerstandsgruppe um den Leipziger Oberbürgermeister Goerdeler mit Adenauer, wenn nach Kriegsende andere politische Verhältnisse einkehren würden.

Verhaftung, Flucht und Gefängnis

Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Adenauer im Rahmen der Aktion "Gewitter" am 23. August 1944 verhaftet und in das Auffanglager auf dem Deutzer Messegelände gebracht. Einem möglichen Transport in das KZ Buchenwald entging er mit Hilfe eines Kapos und eines Arztes, der ihn ins Krankenhaus Hohenlind einlieferte. Dort floh Adenauer zur Nistermühle bei Hachenburg im Westerwald. Nachdem die Gestapo den Aufenthaltsort von seiner Ehefrau erpresst hatte, wurde Adenauer am 25. September 1944 in seinem Versteck verhaftet und kam in das Gefängnis Brauweiler bei Köln. Am 25. November 1944 erfolgte auf Intervention seines Sohnes Max beim Reichssicherheitshauptamt die Entlassung. Adenauer kehrte nach Rhöndorf zurück und erlebte dort das Ende des Zweiten Weltkriegs.

Hanns Jürgen Küsters